DR. GOTTFRIED LINN2019-01-28T10:44:55+01:00

Project Description

DR. GOTTFRIED LINN

LINN KMT – KOMMUNIKATION MEDIEN TRAINING

„8:15 Uhr, Berlin Hauptbahnhof. Eigentlich hätte der Zug schon um 7:30 fahren sollen……

Im „Einstein“ bestelle ich mir den besten Kaffee der Welt und greife zur Zeitung. Lesbare Intelligenz auf Papier zum Anfassen. Es geht noch und es fühlt sich gut an.

Am Nebentisch greifen 10 bis 12 junge Leute Platz, unüberhörbar. Ich filtere heraus: Spanisch, Holländisch, Französisch, Deutsch – dann alle Englisch.

Soweit erkennbar, geht es um IT, um Apps, die Mobilität verbessern. Ich frage nach: Offensichtlich ein lebendiges Start Up auf dem Weg zum Investor.

Alles junge Leute zwischen zwanzig und dreißig, mit Visionen, Hoffnung, Engagement und Spaß. Ich bin beeindruckt!

Was für eine Stadt, was für ein Land, was für ein Europa!

Ja, in diesem Moment ignoriere ich Kinderarmut und Minirenten, Integrationsprobleme und Dieselgate, Krebsgefahr und Klimawandel, Krieg, Flucht und Massenelend. Ich habe nach wie vor den Optimismus, dass man das mit politischer Intelligenz, Mut, Solidarität und Willenskraft angehen kann.

Aber definitiv ohne die begrenzten Populisten, die sich krebsartig ausbreiten. Die zur Macht getrieben werden mit Social Bots und Fake News. Die all das infrage stellen, was Europa mit seiner bunten Vielfalt ausmacht. Genährt von Wählern, die ohne Reflexion bei komplexen Problemen nach einfachen Lösungen schreien.

Aus der Geschichte lernen? Fehlanzeige.

Wer neue Grenzregime und nationale Abschottung in Europa fordert, blendet die jahrzehntelange Erfolgsgeschichte dieses freien Kontinents aus und sägt stumpfsinnig an dem Ast, auf dem er sitzt.

„Wer an Europa zweifelt, der sollte mal über die Schlachtfelder von Verdun schreiten.“

Möge dieser Satz von Jean Claude Juncker nachhaltige Wirkung für die nächsten 100 Jahre entfalten.

Ich weiß nicht, ob die jungen Optimisten vom Berliner Bahnhof sich grundsätzliche Gedanken über Europa machen. Vielleicht nutzen sie einfach nur ihre Chancen und leben ihre Träume.

Seit dieser zufälligen Begegnung weht in meinem Garten eine kleine Europaflagge. Sie setzt ein Zeichen für den Mai 2019. Und vielleicht ist es auch Zeit mit erhöhtem „Puls für Europa“ zu demonstrieren.

Manchmal sehe ich mein Enkelkind Melina, wie sie in 20 Jahren mit jungen Leuten aus allen Teilen der EU im Berliner Bahnhof zu einem Meeting zusammenkommt, um mit guten Ideen ein kleines Stück dieser Welt zu verbessern.

Dieser Gedanke zaubert mir ein Lächeln aufs Gesicht.“

Dr. Gottfried Linn, Privatperson