HARALD R. FORTMANN2019-03-08T09:11:03+01:00

Project Description

HARALD R. FORTMANN

EXECUTIVE PARTNER BEI FIVE14

‚Warum aus “German Angst” “KI made in Germany” werden muss‘

„Es gibt kaum ein Thema, das so viele Diskussionen auslöst wie die “Künstliche Intelligenz”. Unstrittig ist, dass sie nicht mehr verschwinden und sehr wahrscheinlich viele Jobs vernichten wird. Wahrscheinlich ist jedoch auch, dass viele Berufsfelder erst durch Künstliche Intelligenz entstehen werden. Insofern ist es mehr als verwunderlich, dass das Thema in Deutschland noch immer mit Vorsicht behandelt und nicht deutlich mehr Ressourcen in die Forschung gesteckt werden. Laut einer Bitkom-Studie gibt nur jedes vierte deutsche Unternehmen mit 50 oder mehr Beschäftigten (25 Prozent) an, an KI-Technologie interessiert und ihr gegenüber aufgeschlossen zu stehen. Ebenso viele bezeichnen sich selbst aber als kritisch oder ablehnend. 17 Prozent haben sich mit dem Thema noch gar nicht beschäftigt. Zugleich sind zwei Drittel der Bundesbürger (64 Prozent) überzeugt, dass der Wohlstand hierzulande in Gefahr gerät, wenn Deutschland bei der Künstlichen Intelligenz nicht zu den führenden Nationen gehört.

Verpasst Deutschland hier den nächsten Mega-Trend? Seit Jahren schon schauen wir neidisch in Richtung USA; die wertvollsten Unternehmen der Welt heißen nämlich nicht Daimler, Mercedes oder Volkswagen sondern Microsoft, Amazon, Apple, Google und Facebook. Und blicken wir von hier aus gesehen in die andere Richtung, nach China, wachsen dort Tencent, Baidu oder Alibaba zu globalen Playern heran. Und was passiert derweil in Deutschland? SAP ist es gelungen, im Konzert der Großen mitmischen zu dürfen. Aber selbst Zalando, die mit Abstand erfolgreichste Gründung hierzulande im Laufe der letzten 20 Jahre, ist “nur” ein europäisches Unternehmen und hat kaum Chancen, mehr zu werden. Die Digitalisierung ist bisher keine deutsche Erfolgsgeschichte. Umso gravierender ist es also, wenn bei Investitionen in Künstliche Intelligenz gegeizt wird, schließlich sind sich viele Experten einig, dass KI die globalen wirtschaftlichen Verhältnisse noch mal neu durchmischen wird, vor allem auch im B2B-Sektor – einer deutschen Stärke.

Peter Thiel hat in seinem Buch “From Zero to One” die These aufgestellt, dass in den meisten digitalen Branchen langfristig kein allzu großer Wettbewerb existieren wird. Wer sich in einem Bereich erst einmal als DIE Größe durchsetzt, ist der EINE; alle Anderen verschwinden über kurz oder lang von der Bildfläche, indem sie entweder übernommen werden oder keine Überlebenschance haben. Der Grund dafür ist: Anders als bei physischen Gütern sind bei digitalen Services die Investitionskosten unabhängig von der Anzahl der User. Nicht anders sieht Kai-Fu Lee den Wettbewerb um Künstliche Intelligenz; bei dem Wetteifern um die beste Lösung gäbe es keine Bronze-Medaille. Sondern nur Sieg oder Niederlage, so der weltweit führende KI-Experte auf der diesjährigen DLD-Konferenz.

Wieso also überhaupt noch optimistisch in die Zukunft schauen? Vielleicht weil Deutschland für den Humanismus steht. Für Philosophie und das Humboldtsche Verständnis von Bildung. Und nicht zuletzt für das Unternehmertum, das Deutschland zum Exportweltmeister gemacht hat. Gerade wenn es um KI geht, könnte der Cocktail aus Wirtschaft und Ethik maximal zum Erfolg führen. Bisher ging es nur darum, der Schnellste zu sein, siehe die Forderung von Thiel oder auch Lee. Aber gerade jetzt, wo Facebook massiver Gegenwind ins Gesicht peitscht, wo Apple von Analysten abgestraft wird, wird offenkundig: Es geht eben nicht nur um Innovationsgeschwindigkeit sonder auch um den verantwortungsvollen Umgang mit Innovationen, um Corporate Digital Responsibility. Und in diesem Bereich könnte Deutschland tatsächlich eine führende Rolle einnehmen. Dafür aber müsste aus “German Angst” ”KI made in Germany” werden, denn “Made in Germany” ist auch im Zeitalter von Microsoft, Tencent und Google noch immer für viele Menschen auf der ganzen Welt das Maß aller Dinge.“

Harald R. Fortmann ist Executive Partner bei five14, der Personalberatung für das New Work-Zeitalter und Botschafter Arbeitswelt der Zukunft im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V.. Fortmann ist seit 25 Jahren einer der führenden Köpfe der Digitalbranche und war u.a. Geschäftsführer von AOL und Pixelpark bevor er vor 7 Jahren Personalberater wurde.

Harald R. Fortmann, Executive Partner bei five14