PROF. DR. THOMAS PLEIL2018-12-12T17:29:56+01:00

Project Description

Prof. Dr. Thomas Pleil

PROF. DR. THOMAS PLEIL

HOCHSCHULE DARMSTADT

„Klimawandel, Flucht, Nationalismus, Atomrüstung, Trollfarmen, Killerdrohnen. Es gibt genügend Themen, um sich Zukunftssorgen zu machen. Natürlich kann man dem manches entgegensetzen. Zum Beispiel Zahlen des Gesundheitsforschers Hans Rosling und von vielen anderen Statistiken. Denn insgesamt ist vieles auf dieser Welt besser geworden. Drei Beispiele: Mehr Menschen haben Zugang zu sauberem Wasser, die Überlebenschancen mit einer Krebsdiagnose sind gestiegen, und auch die Kriminalität ist in Deutschland zumindest zurückgegangen. Und ich wette: Die meisten, die diese Zeilen lesen, können eigentlich ganz zufrieden sein. Sie können sich wahrscheinlich mehrmals im Jahr Urlaub leisten, haben eine ganz nette Nachbarschaft und im Zweifel einen Arzt in der Nähe, dessen Bemühungen von der Krankenkasse bezahlt werden.

Es ist also gar nicht alles so schlecht.

Sollten wir also einfach das Positive mehr in den Blick nehmen und deshalb optimistisch in unsere Zukunft schauen?

Das wäre viel zu einfach. Indem wir sie relativieren, sind die Probleme und Gefahren nicht weg. Und es gibt ja noch viel mehr, das uns Sorgen bereiten sollte: Die alleinerziehenden Mütter, die mitten in unserer Gesellschaft jeden Tag um jeden Cent kämpfen; die Vergifter, die Freiheit und Demokratie demontieren und Gegeneinander statt Miteinander für die Lösung halten – oder die, die für ihre bereits gefüllten Taschen kämpfen und das Soziale von unserer Marktwirtschaft immer weiter entkoppeln möchten. Und jene, die einfach so weiter machen möchten, egal, was wir unseren Enkeln hinterlassen.

Gerade als Kommunikationsleute sollten wir genau überlegen, wo wir stehen. Die meisten PR-Leute sind für Unternehmen tätig. Als Berater ihrer Vorstände und Geschäftsführer sind sie mit im Boot, wenn diese jede Veränderung stereotyp mit dem Schlagwort „Arbeitsplätze“ abzuschmettern versuchen und oft genug damit von den eigenen Fehlern ablenken wollen. Traurig allerdings, dass sich so viele Kommunikationsprofis selbst eher als Verlautbarer denn als akzeptierte Kommunikationsberater wahrnehmen und viele im fortwährenden Changeprozess ständig neue Aufgaben, aber nicht mehr Mittel bekommen – und damit wohl zu oft zu wenig Zeit zum grundlegenden Nachdenken haben.

Natürlich gibt es auch genau das Gegenteil: Unternehmen, die neue Lösungen haben, die Werte nicht nur in der schwer zu findenden CSR-Rubrik auf der Website, sondern in der Markenführung systematisch leben. Das Gute daran: Es scheint, dass solche Ansätze auch immer mehr geschätzt und erwartet werden. „Brands are now being pushed beyond their classic business interests to become advocates for a better society“, schrieb Richard Edelman vor kurzem mit Blick auf eine weltweite Studie, die seine Agentur zu Erwartungen gegenüber Marken durchgeführt hat. Und der aktuelle Startup-Monitor zeigt, dass eine Menge junger UnternehmerInnen Lösungen für eine bessere Umwelt oder Fairness in der Gesellschaft wollen. Solche Nachrichten tragen auch zum Zukunftsoptimismus bei.

Dazu gehört auch, dass viele Menschen sichtbar für Demokratie, Chancengerechtigkeit, Solidarität und Verantwortung gegenüber den Mitmenschen einstehen. Die Energie dafür heißt Zukunftsoptimismus. Kommunikationsleute können mit ihrer Expertise genau hier ansetzen und sich einbringen. Dann bleibt die Bühne auch nicht für das Negative reserviert.“

Prof. Dr. Thomas Pleil, Hochschule Darmstadt